http://www.keinbockaufnazis.de

Münster erwache! - Vainstream 2009

Von Thiemo

Neues aus dem Münsterland, wo am 03.07 und 04.07 wechselnd unter senkender Sonne, Sommerregen und erdrückender Schwüle das "Vainstream" stattfand. Für die, die damit nix anfangen können: Das Festival bietet hauptsächlich Bands aus dem Genre Hardcore und Metal. Und wie soll's anders sein wenn "Converse" und "EMP" Werbung überall aushängt? Richtig!! Es wird von jedem annähernden Durchschnittspunk als "Kommerz" abgetan: Nichtsdestotrotz, ich fand es super.

Kommen wir zu meinen Eindrücken:

Es ist Freitag Mittag, die Sonne brennt zwischen den Spikes auf die Kopfhaut und man  steht in einer Traube von nicht weniger als 1000 Leuten, die sich jetzt schon mit Alkohol zukippen: Ansich ne gute Entscheidung ;-) Allerdings hört für so manch ein 16 jähriges Mädel der Spaß auf, und so werden diese jetzt schon ohne über Los zu ziehen und ohne 2000 Mark abzugreifen direkt ins Sani-Zelt gebracht. Nach einer Leibesvisitation auf Waffen, Getränke und sonstigem, wird vom völlig inkompetenten Security meine Nietengürtel sowie meine Spikes beäugt. Drin, geschafft, ihr könnt mich alle mal … Kurz übern Platz geschlendert und sich die ebenfalls aufgebauten Büdchen angeguckt. Pommes, Döner, Falaffel und einige Merch-Stände. Leider, und das hat ich grade für Hardcore und entsprechendes Publikum doch gewundert, keine Politik! Keine Informationsblättchen, kein Zelt, keiner der informiert, weder über Antifaschistische Arbeit, noch über Fleischkonsum (für die vielen Vegetarier/Veganer) der Szene, noch sonst irgendein kritisches Thema. Einzig und allein einige Bands sprachen davon, dass sie sich gegen Faschismus aussprechen. Auch die Diskussion über „Hardcore als Nazimarke“ ist nirgendwo aufgegriffen worden. Nunja.

Aber zu den Bands: Als erstes schaute ich mir mit meiner Freundin Walls of Jericho an. Eine super Band. Die Frontfrau gröhlt und grunzt, als hätte Sie zufällig den Frontsänger von Hatebreed verschluckt, und der würde aus ihrem Bauch singen. Der Sound war super klasse, die Menge brodelte. Nach guten 45 Minuten war zwar alles vorbei, aber was zurückblieb war eine gepeitschte Masse, die grade mit Anlauf gegen eine Schallwand aus gutem Hardcore gerannt war. Die anschließend aufgetretenen K.I.Z. mag ich mal nicht bewerten, da ich zwar über die ein oder andere Textpassage einiger Lieder schmunzeln kann, aber den Musikstil und dem ganzen nichts abgewinnen kann. Im strömenden Regen war dann als nächstes Ignite dran, die eine ordentliche Sache ablieferten. Insgesamt verschwand der Eindruck dieser Band zwischen den anderen. Jedenfalls den anhaltenden Sommerregen, überlebten meine Spikes nur zu Hälfte, so dass diese dann später ausgebessert wurden. Zur Krönung des Abends trat Hatebreed auf, die als Aushängeschild für amerikanischen Hardcore der Mainact des Abends war. Die Energie die diese Band auf die Menge los lies, war gigantisch. Es riss einen förmlich mit. Zugegeben, ich wollte schon immer mal Lieder wie „Straight in your Face“ und „I will be heard“ live hören. Leider nahmen die Energie manche zu überschwänglich auf, so dass dann der 16 jährige „ich wäre so gern ein harter Hardcore Mensch“ vor einem in der stehenden Masse wie blöd herumsprang anstatt sich in den Moshpit vor der Bühne zu drängeln. Kurzerhand musste man ihm ein paar verpassen, dass er endlich aufhörte. Die tolle Aufgabe, habe ich natürlich nur zu gerne übernommen ;-) Der Abend war dann nach dem Konzert in der Nähe des Geländes in der „Sputnikhalle“ noch recht entspannt und recht schnell zu Ende.

Samstags war es deutlich einfacher aufs Gelände zu kommen, allerdings war dann dem Sackgesicht von Security mein auftreten zu waffenstrotzend, weshalb ich dann meine Nietengürtel abgeben musste. Auch wenn man mit der Plastikgabel am Pommesstand eher Leute hätte verletzen können, als mit einem 3-reihigen Killernietengürtel mit abgerundeten Spitzen, lies er sich auf nix ein. Nun Gut. Auf dem Platz wieder schauten wir uns dann Sonic Syndicate an, welche ebenfalls einen guten und sehr melodischen Hardcore spielten. Insgesamt machte die Band einen ordentlichen Eindruck und spielte durchaus sehr gut. Der Wechsel zwischen den beiden Sängern war genial. Anschließend schauten wir uns noch Terror an, die die Leute dazu aufforderten die Bühne zu stürmen, was auch prompt gemacht wurde. Eine Schallwand wüsten Hardcore(punk?) schleuderte sich mir entgegen und riss mit. Auch der Auftritt von Heaven Shall Burn war ordentlich und wurde zwischen dem bierernsten Metalcore  durch den Ausfall der Anlage sowie dann dem wechsel auf die andere Bühne und zurück gut aufgelockert.

Während den Konzerten wurden wahllos gratis Fahnen von „EMP“ in die Menge geschmissen, aber die waren so verdammt hässliche, das die selten einer haben wollte ;-) Den Abend verbrachten wir dann wieder in der Sputnikhalle, wo dann passend hauptsächlich Metalcore gespielt wurde.

Insgesamt ein tolles Festival, dass ich wieder besuchen werde, auch wenn ich keine der da auftretenden Bands, bis auf vielleicht Sonic Syndicate und Hatebreed, wirklich aktiv bei mir zu Hause hören würde: Da bleibts doch bei Deutschpunk und Hardcorepunk.

Zu guter letzt wurde ich noch darauf angesprochen dass ich in der Zeitung war: Natoll, die „Münstersche Zeitung „ hatte Fotos gemacht, und wer war ebenfalls mit drauf und hat ne Portaitaufnahme bekommen? Richtig, euer Schreiberling und inoffizieller Agent der "Punkrock,Alta!"-Crew.

Harcore bleibt Nazifrei
Prost